Mit einem Fachtag im Wissenschaftszentrum Kiel wurde am 10. September das zehnjährige Bestehen von TiK-SH gefeiert. Rund 120 Fach- und Leitungskräfte aus Kitas, Kindertagespflege und Familienzentren kamen zusammen, um auf eine erfolgreiche Entwicklung zurückzublicken und den Blick in die Zukunft zu richten. Als Mitträger des landesweiten Angebots war auch das IBAF Teil dieses besonderen Jubiläums.
Engagiertes Grußwort der Ministerin
Bereits die Begrüßung machte deutlich, welche gesellschaftliche Bedeutung traumapädagogische Arbeit hat. Sozialministerin Aminata Touré würdigte in ihrem engagierten Grußwort die Arbeit der pädagogischen Fachkräfte, die täglich Kinder mit sehr unterschiedlichen und oftmals belastenden Lebensgeschichten begleiten.
Mit großem Nachdruck betonte sie, wie wichtig fachliche Kompetenz, Empathie und die Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterentwicklung sind, um allen Kindern gute Bildungs- und Teilhabechancen zu ermöglichen. Gleichzeitig dankte sie den Mitarbeitenden von TiK-SH Kita für ihren langjährigen Einsatz, mit dem sie traumapädagogisches Wissen in die Praxis tragen und Fachkräfte in ganz Schleswig-Holstein unterstützen.
„Traumasensible Kitas machen einen Unterschied“
Ein Höhepunkt des Fachtages war der Vortrag von Dr. med. Andreas Krüger, dem Gründer und Leiter des Ankerland Therapiezentrum für Kinder und Jugendliche in Hamburg. Unter dem Titel „Traumasensible Kitas machen einen Unterschied“ zeigte der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie eindrucksvoll auf, welche Folgen belastende und traumatische Erfahrungen für Kinder haben können und wie entscheidend die ersten Bezugspersonen außerhalb der Familie für ihre Entwicklung sind.
Sein Vortrag machte deutlich, dass Kinder bereits im Kindergartenalter auf Fachkräfte treffen müssen, die traumatische Belastungen erkennen, verstehen und angemessen darauf reagieren können. Eine traumasensible Haltung hilft dabei, Kindern Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen zu vermitteln. Damit können früh wichtige Grundlagen für eine gesunde Entwicklung geschaffen werden.
Szenisches Spiel mit nachhaltiger Wirkung
Einen besonderen Akzent setzte Daniela Feuerhak mit einem eindrucksvollen szenischen Spiel. Als Dozentin der ersten Stunde hat die Traumapädagogin das Projekt TiK-SH Kita von Beginn an begleitet, maßgeblich unterstützt und mit zahlreichen wertvollen Impulsen zu seiner Weiterentwicklung beigetragen.
In verschiedenen Rollen machte sie die Lebenswirklichkeit belasteter Familien erlebbar und eröffnete den Teilnehmenden einen emotionalen Zugang zu den Themen Trauma und Beziehungsgestaltung. Dabei berührte sie auch das Thema transgenerationaler Traumata und zeigte auf eindrucksvolle Weise, wie belastende Erfahrungen über Generationen hinweg weiterwirken können.
Kinder sehen, verstehen und stärken
Der Fachtag stand passend unter dem Motto „Ich sehe dich“. Dieser Leitgedanke beschreibt den Kern traumapädagogischer Arbeit: Kinder in ihren Bedürfnissen wahrzunehmen, ihre Verhaltensweisen besser zu verstehen und ihnen einen sicheren Ort zu bieten.
Gerade Kinder, die Gewalt, Vernachlässigung, Verlust, Flucht oder andere belastende Erfahrungen erlebt haben, profitieren von Fachkräften, die sensibel und fachlich fundiert reagieren können. Traumapädagogik stärkt dabei nicht nur einzelne Kinder, sondern wirkt positiv auf ganze Gruppen und Einrichtungen.
Diese Haltung war während des gesamten Fachtages deutlich spürbar. Die Teilnehmenden wirkten wie eine engagierte Gemeinschaft, die ein gemeinsames Ziel verbindet: Kindern trotz schwieriger Startbedingungen Sicherheit, Teilhabe und Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen. Viele der anwesenden Fachkräfte erleben in ihrem Berufsalltag immer wieder, wie wirkungsvoll traumapädagogische Ansätze sein können. Sie erfahren, dass belastende Verhaltensmuster und problematische Dynamiken nicht unveränderbar sind, sondern durch Verstehen, Beziehung und fachliches Handeln neue Wege entstehen können. Diese gemeinsame Erfahrung von Wirksamkeit verlieh dem Jubiläum eine besondere Atmosphäre und machte deutlich, warum TiK-SH seit zehn Jahren einen so wichtigen Beitrag zur frühkindlichen Bildung in Schleswig-Holstein leistet.
So stehen zehn Jahre TiK-SH für ein starkes Netzwerk, fachliche Expertise und das gemeinsame Ziel, Kindern in belastenden Lebenssituationen frühzeitig die Unterstützung zu bieten, die sie brauchen. Denn oft macht genau das den entscheidenden Unterschied: Dass ein Kind sagen kann oder spürt: „Ich werde gesehen.“
(Foto - Personen von links nach rechts: Ulrike Martens (Kinderschutzbund Landesverband SH, Antje Knossalla (IBAF), Sozialministerin Aminata Touré, Dr. Andreas Krüger (Ankerland Therapiezentrum Hamburg), Marie Pagenberg (IBAF), Louisa Periñan (Wendepunkt).)

